Was ist das Cushing-Syndrom?

Harvey Cushing beschrieb 1932 erstmals die nach ihm benannte Cushing-Krankheit – eine Erkrankung, die durch eine Überproduktion von Cortisol gekennzeichnet ist¹. Später wurden verschiedene Krankheitsbilder mit unterschiedlichen Ursachen, aber ähnlicher Symptomatik unter dem Begriff „Cushing-Syndrom“ zusammengefasst.

Das Cushing-Syndrom ist eine Erkrankung, bei der der Körper über einen längeren Zeitraum zu viel Cortisol produziert². Cortisol wird in den Nebennieren gebildet – zwei kleinen Drüsen oberhalb der Nieren. Die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) im Gehirn steuert die Cortisolproduktion, indem sie hormonelle Signale an die Nebennieren sendet³.

Cortisol wird häufig als „Stresshormon“ bezeichnet, da es dem Körper hilft, auf Stress zu reagieren. Es trägt außerdem zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks bei, reguliert den Blutzuckerspiegel, hemmt Entzündungen und unterstützt die Energiebereitstellung. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann jedoch gravierende gesundheitliche Folgen haben³.

Das endogene Cushing-Syndrom entsteht durch eine übermäßige Cortisolproduktion infolge von Tumoren in der Hypophyse (wie ursprünglich von Harvey Cushing beschrieben)¹ oder in den Nebennieren². Das exogene Cushing-Syndrom hingegen wird durch die langfristige Einnahme hochdosierter Steroide verursacht².

Was sind die Symptome des Cushing-Syndroms?

Das Cushing-Syndrom kann sich sehr unterschiedlich äußern. Während die ausgeprägte Form klinisch meist eindeutig ist, beginnt die Erkrankung oft schleichend und wird bei milden Fällen oft erst spät erkannt4.

Häufige Symptome sind2,4:

·   Gewichtszunahme
·   dünne Arme und Beine
·   rundes Gesicht
·   vermehrtes Fettgewebe am Nackenansatz
·   Fettansammlung zwischen den Schultern („Stiernacken“)
·   leichte Blutergüsse
·   breite, violette Dehnungsstreifen (vor allem an Bauch, Brust, Hüften und Achseln)
·   Muskelschwäche

Kinder mit Cushing-Syndrom neigen zu Übergewicht und zeigen häufig ein verlangsamtes Wachstum2,4. Frauen können eine verstärkte Körperbehaarung im Gesicht, an Brust oder Bauch entwickeln, und die Menstruation kann unregelmäßig werden oder ausbleiben5. Männer können eine verminderte Fruchtbarkeit, reduziertes sexuelles Interesse oder Erektionsstörungen haben.6

Wie häufig ist das Cushing-Syndrom?

Das durch Tumoren der Hypophyse oder Nebennieren verursachte Cushing-Syndrom ist selten7. Jährlich treten etwa 0,7 bis 2,4 neue Fälle pro Million Menschen auf. Die Erkrankung betrifft überwiegend Personen über 40 Jahre und tritt bei Frauen etwa viermal häufiger auf als bei Männern6.

Wie wird das Cushing-Syndrom diagnostiziert?

Die Diagnose ist oft komplex, da viele Symptome auch bei anderen, häufigeren Erkrankungen vorkommen. Zur ersten Abklärung können folgende Tests eingesetzt werden8:

·   24-Stunden-Urin-Test auf freies Cortisol (mindestens zwei Messungen)
·   Spätabendlicher Speicheltest auf Cortisol (zwei Messungen)
·   1-mg-Dexamethason-Hemmtest über Nacht
·   Langzeit-Hemmtest mit niedriger Dosis (2 mg/Tag über 48 Stunden)

Zur Bestätigung der Diagnose werden häufig bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt4.

Wie wird das Cushing-Syndrom behandelt?

Ziel der Behandlung ist es, den Cortisolspiegel rasch zu normalisieren und dadurch die mit der Erkrankung verbundenen Stoffwechsel- und Hormonstörungen zu verbessern6. In der Regel wird der Tumor entfernt, der die Cortisolüberproduktion verursacht. Wenn dies nicht möglich ist, können Strahlentherapie, medikamentöse Behandlung oder die operative Entfernung der Nebennieren erforderlich sein6.

Wenn Sie Patient:in sind, wenden Sie sich bitte für weitere Informationen an Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren Arzt.

Medizinisches Fachpersonal aus der EU findet hier weiterführende Informationen zu den Behandlungsleitlinien für das Cushing-Syndrom hier

Mehr Informationen zum Cushing-Syndrom

Erfahren Sie hier mehr über die Erfahrungen von Patient:innen mit Cushing-Syndrom – etwa über die Geschichten von Sammy, Ida und Lily.

Die Pituitary Network Association bietet weitere Informationen und Unterstützung für Betroffene.

Für medizinisches Fachpersonal stehen vertiefende Informationen unter www.cushingshub.com zur Verfügung.

ESTEVE übernimmt keine Verantwortung für Inhalt, Verfügbarkeit und Gestaltung externer Websites.

Referenzen

  • 1. Cushing H. (1932): The basophil adenomas of the pituitary body and their clinical manifestations. Bull Johns Hopkins Hosp.
  • 2. Mayo Clinic: Cushing Syndrome – Symptoms and Causes. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/cushing-syndrome/symptoms-causes/syc-20351310. Zuletzt abgerufen am 20.10.2025.
  • 3. Cleveland Clinic: Cortisol: What It Is, Function & Levels. https://my.clevelandclinic.org/health/articles/22187-cortisol. Zuletzt abgerufen am 20.10.2025.
  • 4. Nieman LK et al. The Diagnosis of Cushing’s Syndrome: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2008; 93(5): 1526–1540. doi:10.1210/jc.2008-0125
  • 5. MedlinePlus: Cushing Disease – Genetics and Symptoms. https://medlineplus.gov/genetics/condition/cushing-disease. Zuletzt abgerufen am 20.10.2025.
  • 6. Pivonello R et al. Complications of Cushing’s syndrome: state of the art. Lancet Diabetes Endocrinol. 2016; 4(7): 611-629. doi:10.1016/S2213-8587(16)00086-3.
  • 7. Sharma ST, Nieman LK, Feelders RA: Cushing’s syndrome: epidemiology and developments in disease management. Clin Epidemiol. 2015;7:281–293. https://doi.org/10.2147/CLEP.S44336.
  • 8. Fleseriu M, Auchus RJ, Bancos I, et al.: Consensus on diagnosis and management of Cushing’s disease: a guideline update. Lancet Diabetes Endocrinol. 2021;9(12):847–875. doi:10.1016/S2213-8587(21)00235-7.